Dieses Mal entfernen wir uns von den eher technischen Aspekten dieses
Blogs und tauchen ein in den
Bereich des Denkens und der
Philosophie im digitalen Zeitalter. Am
Tag des 22. Februar haben wir die Möglichkeit, den Vortrag der
Soziologin Judy Wajcman im
CCCB in Barcelona zu besuchen.
Wir möchten einige Informationen über die Referentin geben, damit wir ihre Person und Persönlichkeit besser einordnen können. Ihr Lebenslauf ist beeindruckend, und es ist eine Ehre, sie live über ein so nahes Thema sprechen zu hören.
Judy W. ist Professorin für Soziologie an der London School of Economics and Political Science. Zuvor war sie Professorin für Soziologie an der Research School of Social Sciences der Australian National University und Gastprofessorin am Lehman Brothers Centre for Women in Business der London Business School sowie am Oxford Internet Institute. Außerdem hatte sie Positionen in Cambridge, Edinburgh, Manchester, Sydney, Tokio, Wien, Zürich und Warwick inne. Sie war auch Visiting Fellow am All Souls College in Oxford. Zudem war sie die erste Frau am St. John’s College, Cambridge (Norman-Laski-Stipendiatin 1978–80).
Von 2010 bis 2011 war sie Präsidentin der Society for Social Studies of Science und ist weiterhin in deren Publications Committee tätig. Außerdem hat sie kürzlich Pressed for Time. The Acceleration of Life in Digital Capitalism (University of Chicago Press, 2015) veröffentlicht.
Schon die Zusammenfassung des Buches ist für sich genommen faszinierend: Die Figur des technologisch angebundenen iPhone-Süchtigen ist ein Bild, das wir uns leicht vorstellen können. Die meisten von uns beklagen, dass heute nicht genug Zeit bleibt und dass unsere Posteingänge mit E-Mails überquellen. Diese weitverbreitete Wahrnehmung, dass das Leben heute viel schneller ist als früher, ist inzwischen tief in unserer Kultur verwurzelt – und wir machen unsere Mobiltelefone und das Internet dafür verantwortlich. Dabei halten wir kaum inne, um darüber nachzudenken, dass Internet und Smart Devices eigentlich genau dazu gedacht waren, unser Leben einfacher und schneller zu machen.
Doch genau das hat uns zu Sklaven gemacht: Wir bewegen uns immer schneller und geraten in eine Spirale der Beschleunigung, bei der wir nur verlieren können, denn wir sind keine Maschinen.
Das Problem liegt darin, dass wir selbst dieser unerbittlichen Beschleunigung keine Grenzen setzen und diese Maßstäbe der Geschwindigkeit übernehmen. Beschäftigt zu sein und ein aktionsreiches Leben zu führen, wird in unserer von Produktivität getriebenen Gesellschaft sogar positiv bewertet.
Gerade aus diesem Grund hat das CCCB sie eingeladen, damit sie uns ihre eigene, philosophische Sicht auf den heutigen Zeitbegriff näherbringt – auf die Beschleunigung des Lebens im digitalen und kapitalistischen Zeitalter.
Durch ihre Reflexion wird sie uns bewusst machen, wie die digitale Kultur den Begriff der Zeit und damit auch uns selbst verändert hat.
Mehr, schneller und besser. Das wäre eine Überschrift, die das moderne Leben definieren würde.
Die Technologie, die eigentlich dazu bestimmt war, uns das Leben zu erleichtern, hat zusammen mit den Geräten, die uns die Dinge einfacher machen sollten, die Kontrolle über unser Leben übernommen und uns zu Geiseln gemacht.
Ein sehr interessanter Vortrag für alle, die sich für das Denken in einem aktuellen und sich wandelnden Umfeld interessieren.
Ort: CCCB, Centre de Cultura Contemporània de Barcelona, Carrer de Montalegre, 5, 08001 Barcelona.
Hier findet ihr den Vortrag von Judy Wajcman – ich bin sicher, ihr werdet ihn genauso genießen wie ich.