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20/11/2025

Kommunikationskampagne der Woche: #StopRepeatingStories von Service Plan

#StopRepeatingStories: Eine digitale Kampagne, die mit Künstlicher Intelligenz daran erinnert, dass Antisemitismus keine Geschichte, sondern Gegenwart ist

Es gibt digitale Kampagnen, die an der Oberfläche bleiben – und solche, die die Gesellschaft direkt herausfordern. #StopRepeatingStories, entwickelt von SERVICEPLAN GERMANY / PLAN.NET GERMANY für den Zentralrat der Juden in Deutschland, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Ausgezeichnet mit dem iF Design Award 2025 in der Kategorie Communication, Film/Video, zeigt diese Kampagne eindrucksvoll, wie Design, Film und Künstliche Intelligenz gemeinsam gegen Antisemitismus wirken können – emotional, empathisch und mit einer kraftvollen, zeitgemäßen Bildsprache.

Für uns, die wir in Grafikdesign, Branding, Webdesign und digitalen Kampagnen aus Barcelona arbeiten, ist sie ein Paradebeispiel dafür, wie Kreativität zu gesellschaftlicher Verantwortung werden kann.

Kontext: Eine unbequeme Realität, die sich wiederholt

Die Kampagne entsteht in einer ebenso sensiblen wie dringlichen Situation. Achtzig Jahre nach dem Holocaust verzeichnet Deutschland einen drastischen Anstieg antisemitischer Übergriffe: Die Zahl der täglichen Fälle steigt innerhalb weniger Monate von 7 auf 29. Doch die gesellschaftliche Reaktion bleibt weit hinter der Dringlichkeit des Problems zurück. Schweigen, Gleichgültigkeit und das gefährliche Gefühl von „das betrifft mich nicht“ überwiegen. Selbst wenn prominente Stimmen aus der jüdischen Gemeinschaft Parallelen zu den Anfängen des Nationalsozialismus ziehen, bleibt die öffentliche Reaktion verhalten.

Die Herausforderung für den Zentralrat der Juden in Deutschland und das Kreativteam war doppelt: Antisemitismus als aktuelles Problem sichtbar machen – nicht als abgeschlossenes Kapitel der Geschichte. Und: Jüdische Menschen nicht erneut ausschließlich in der Opferrolle zeigen. Die Leitfrage des Projekts ist klar und direkt: Wie lässt sich echte Empathie bei einer Generation wecken, die den Holocaust nicht erlebt hat – ohne auf die immer gleichen Bilder zurückzugreifen?

Für eine Kommunikationsagentur wie unsere, spezialisiert auf digitale Marketingkampagnen und Grafikdesign in Barcelona, ist dieser Ansatz entscheidend: Es geht nicht nur darum, eine Botschaft zu vermitteln, sondern den ehrlichsten und wirkungsvollsten Weg zu finden, um die heutige Zielgruppe zu erreichen.

Die kreative Idee: Zeitzeugenberichte, die in der Vergangenheit beginnen und in der Gegenwart enden

Das Konzept von #StopRepeatingStories ist ebenso eingängig wie anspruchsvoll in der Umsetzung. Die Kampagne basiert auf drei Videos, die zunächst wie klassische Zeitzeugenberichte von Holocaust-Überlebenden wirken: ältere Menschen, gezeichnete Gesichter, ruhige Stimmen, die von Gräueltaten erzählen, die wir zu kennen glauben.

Doch dann geschieht Unerwartetes: Gesicht und Stimme der Protagonist:innen verjüngen sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Falten verschwinden, die Gesichtszüge verändern sich, die Haut wird straffer, der Blick jünger. Was als Erzählung aus der Vergangenheit beginnt, wird zur unbequemen Erkenntnis: Die Sprechenden sind keine 90-jährigen Überlebenden, sondern junge Menschen um die 20, die diese Erfahrungen auch heute machen könnten.

Der erzählerische Twist ist eindringlich: Das Publikum erkennt, dass es keine historische Rekonstruktion sieht, sondern einen Spiegel der Gegenwart. Daher der Kampagnentitel: „Stop Repeating Stories“. Es sind keine fernen Geschichten – es sind Muster von Hass, die wir zu wiederholen drohen, wenn wir wegsehen.

Technische Umsetzung: Künstliche Intelligenz im Dienst der Empathie

Um diese Idee zu realisieren, entwickelte das Team von SERVICEPLAN GERMANY / PLAN.NET GERMANY eine hybride Lösung aus klassischem Dreh und modernster Technologie. Zunächst werden junge Schauspieler:innen um die 20 Jahre gefilmt, die die Zeitzeugenberichte vor der Kamera sprechen. Anschließend kommt das hauseigene Tool „Gen AI“ zum Einsatz, kombiniert mit Retime– und Motion Estimation-Techniken. So entsteht eine Sequenz von etwa 200 Frames, in der die Gesichter altern und zu vermeintlichen Holocaust-Überlebenden werden.

Der Prozess läuft umgekehrt wie sonst im Film oder in der Werbung: Hier beginnt die Verwandlung bei der Jugend und führt ins Alter – und wird im finalen Film wieder zurückgespult. Jedes Detail – Hautflecken, Falten, Volumen, Texturen – wird so gestaltet, dass der Übergang organisch und glaubwürdig wirkt. Künstliche Intelligenz dient hier nicht als spektakulärer Effekt, sondern als emotionales Design-Tool: Entscheidend ist nicht der Trick, sondern das Gefühl von Beklemmung, das beim Zuschauen entsteht.

Die Musik – ein atonales Violinstück von Not A Machine – verstärkt die Spannung und das Unbehagen, ohne in billigen Pathos zu verfallen. Bild und Ton steigern sich zu einem Crescendo, das in ein unangenehmes Schweigen mündet – genau bevor die zentrale Botschaft klar wird: „Nie wieder“ darf keine Floskel der Vergangenheit sein, sondern muss ein Versprechen für die Gegenwart bleiben.

Visuelles Design: Klarheit, Fokus und Respekt

Abseits des Alterns- und Verjüngungseffekts überzeugt die Kampagne durch ein zurückhaltendes, fokussiertes visuelles Design. Es gibt keine überflüssigen Grafiken oder Effekte – der Bildausschnitt konzentriert sich auf Gesicht, Blick und Stimme. Diese formale Reduktion rückt die Botschaft in den Mittelpunkt und verhindert, dass Schmerz zum Spektakel wird.

Die Farbpalette bleibt dezent und leicht entsättigt, erinnert an historische Archivaufnahmen, ohne ins Schwarz-Weiß-Klischee zu verfallen. Licht, Farbgebung und Schnitt sorgen für ein Gefühl von Kontinuität: Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen zu einer Zeitebene. Ein Ansatz, der sich an den Best Practices des zeitgenössischen audiovisuellen Designs orientiert, bei dem jede ästhetische Entscheidung dem Konzept dient.

Aus Sicht einer Agentur für Grafikdesign und Branding in Barcelona ist diese Kampagne ein Paradebeispiel dafür, wie visuelle Sprache eine gesellschaftliche Botschaft verstärken kann – ganz ohne Effekthascherei. Das Design konkurriert nicht mit der Geschichte, sondern trägt sie.

Digitale Strategie und Reichweite: Von Social Media auf die Straße

Der Erfolg von #StopRepeatingStories beruht nicht nur auf der kreativen Kraft, sondern auch auf einer durchdachten digitalen Kommunikationsstrategie. Die Kampagne startet in Zusammenarbeit mit der Community des Zentralrats der Juden in Deutschland und mit prominenten Influencern wie Raul Krauthausen oder Culcha Candela, die die Botschaft in den sozialen Netzwerken verbreiten.

Die Zahlen sprechen für sich: Über 1 Million Views in den sozialen Medien, ein 2000% Wachstum der Instagram-Reichweite und 400% Zuwachs auf LinkedIn. Das zeigt: Wenn eine Geschichte gut erzählt ist und eine relevante Sache trifft, reagiert das Publikum.

Zusätzlich wird die Kampagne durch eine Outdoor-Installation am Hermannplatz, einem zentralen Ort in Berlin, sowie durch eine bundesweite Pressekonferenz gestärkt, die das Thema in die Leitmedien bringt. Diese Kombination aus digitaler Strategie, Medienpräsenz und Aktionen im öffentlichen Raum macht das Projekt zu einem echten Kommunikations-Ökosystem – ein Ansatz, den auch wir bei der Entwicklung ganzheitlicher Kampagnen aus Barcelona verfolgen.

Microsite und Call-to-Action: Vom emotionalen Impuls zum Handeln im Alltag

Ein großer Pluspunkt der Kampagne ist, dass sie nicht bei der Emotion stehen bleibt. Ergänzt wird das Projekt durch eine eigene Microsite: stop-repeating-stories.org, auf der leicht umsetzbare Tipps und Empfehlungen für den Alltag im Kampf gegen Antisemitismus bereitgestellt werden. Ratschläge, teilbare Ressourcen, Download-Materialien und Sharepics machen aus Empörung konkrete, kleine Handlungen.

Diese digitale Dimension macht die Kampagne zu einer Referenz für alle, die im Bereich Webdesign und User Experience arbeiten: Die Website ist nicht bloß Informationsplattform, sondern eine Aktivierungsplattform. Interaktives Design wird zum Werkzeug für gesellschaftlichen Wandel, indem es jedem ermöglicht, sich sofort einzubringen – sei es durch Teilen, Informieren oder das Hinterfragen von Alltagsverhalten.

Wirkung, Vermächtnis und eine Lektion für sinnstiftendes Design

Über reine Kennzahlen hinaus hinterlässt #StopRepeatingStories ein bedeutendes Vermächtnis im Bereich des Designs mit gesellschaftlicher Verantwortung. Die Kampagne zeigt, dass Künstliche Intelligenz ethisch und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann – nicht, um Realität zu verzerren, sondern um sie sichtbarer und verständlicher zu machen. Die Technologie überlagert die Botschaft nicht, sondern verstärkt sie.

Das Projekt liefert zudem eine wertvolle Lektion für Agenturen und Designstudios – in Berlin, Barcelona oder anderswo: Wenn Strategie, Konzept, visuelle Umsetzung und Technologie Hand in Hand gehen, wird aus einer Werbemaßnahme eine gesellschaftliche Debatte. Es geht nicht nur darum, eine Marketingkampagne zu kreieren, sondern darum, kollektives Bewusstsein zu schaffen.

In einer Welt voller Inhalte erinnert #StopRepeatingStories daran, dass Design immer noch die Kraft hat, uns innehalten zu lassen, uns zu irritieren und zum Nachdenken zu bringen. Und das ist vielleicht eine der wichtigsten Aufgaben von Kommunikation.

Fazit: Wenn Design und Technologie „Nie wieder“ sagen

#StopRepeatingStories ist mehr als eine preisgekrönte Kampagne – sie ist ein dringender Appell, dass Hass nicht von selbst verschwindet. Die Arbeit von SERVICEPLAN GERMANY / PLAN.NET GERMANY in Kooperation mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland beweist, dass Grafikdesign, Film, Branding und digitale Kommunikation zu kraftvollen Werkzeugen gegen Gleichgültigkeit werden können.
Als Agentur für digitale Kampagnen, Webdesign, Markenidentität und Social Media aus Barcelona sehen wir in diesem Projekt ein klares Beispiel für die Zukunft unserer Branche: Kampagnen, die nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Verantwortung suchen; Projekte, die Kreativität, Technologie und Ethik verbinden, um eine klare Botschaft zu senden: „Nie wieder“ ist kein Slogan der Vergangenheit, sondern eine Aufgabe für heute.

Credits

Projekt: #StopRepeatingStories
Kunde: Zentralrat der Juden in Deutschland K.d.ö.R., Berlin, Deutschland
Agentur / Studio: SERVICEPLAN GERMANY / PLAN.NET GERMANY, München, Deutschland
Produktion: SERVICEPLAN MAKE
Auszeichnung: iF Design Award 2025 – Communication, Film/Video
Kreativteam (Auswahl): A. Schill, T. Diestel, J. Bohné, M. Johne, B. Baum, A. Simon, M. Weinstein, A. Sabbagh, T. Schedler, M. Schöngen, C. Waitzinger, F. Freytag, B. Koch
Produktionsteam (Auswahl): A. Nagel, K. Prösel, F. Lotz, T. Nitschke, C. Struber, S. Weidner, J. Rügge, K. Petersen, B. Wolff, F. Baermann
Musikkomposition: Not A Machine
Zielregion der Kampagne: Europa
Kanäle: Online-Film/Video, Social Media, Presse, Außeninstallation, Microsite stop-repeating-stories.org

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