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12/05/2017

Warum sind die Websites von Behörden so kitschig gestaltet? #1

Irgendwann im Leben mussten wir wohl alle schon einmal das Martyrium durchstehen, eine Online-Angelegenheit über die Website einer Behörde zu erledigen.

Die eigentliche Überraschung kommt dann, wenn wir die Seite aufrufen und feststellen, dass das Design wirklich auf dem neuesten Stand ist. Ja, ganz am Ende der Entwicklung.

Und dann stellt sich unweigerlich die Frage: Womit habe ich das verdient? Reicht es nicht, dass ich die Strafe zahlen muss – muss ich jetzt auch noch Zwangsarbeit leisten?

In dieser ersten Folge unserer Serie über fragwürdige Webdesigns nehmen wir die Website der DGT unter die Lupe. Das Navigationssystem ist eingestellt, damit wir uns nicht im Labyrinth der Unterseiten verlieren.

Für die besonders Mutigen hier der Link: DGT

 

Warum ist das Webdesign der DGT so geschmacklos?

Ein kurzer Blick genügt, um zu erkennen: Hier wurde ein Webdesign geschaffen, das vor allem eines tut – verwirren. Vielleicht ist das sogar Teil der Markenidentität der DGT. Eine Art, dem Besucher das Gefühl des „schlechten Fahrens“ digital zu vermitteln.

Laut web.archive.org wurde die Seite vor vier Jahren überarbeitet. Trotzdem wirkt sie wie ein Relikt aus der Frühzeit des Internets.

Der erste Eindruck

Das Ziel eines ersten Eindrucks sollte bei jeder Website sein, dem Nutzer die Informationsaufnahme zu erleichtern. Die wichtigsten Inhalte hervorheben und so präsentieren, dass der Besucher intuitiv und schnell durch die Seite geführt wird. Mit klarer Hierarchie, damit alles geordnet bleibt.

Um im Bild zu bleiben: Für den Nutzer wäre eine Einbahnstraße mit möglichst wenigen Abzweigungen und klaren Hinweisschildern ideal.

Doch schon ohne auf das Visuelle einzugehen, stolpert man beim ersten Besuch der DGT-Seite über ein echtes Problem: Es ist eine Zumutung fürs Gehirn. Es gibt sage und schreibe über 40 Links auf einen Blick!

Das fühlt sich an, als würde man mit dem Auto in eine Stadt fahren und plötzlich an einer Kreuzung mit 40 Ausfahrten stehen.

direcciones

Der zweite Eindruck

Nachdem man den ersten Schock verdaut hat, erholt sich der Arm langsam wieder und der Cursor kann weiterbewegt werden. Dann erinnert man sich auch wieder daran, warum man eigentlich auf der Seite gelandet ist.

Von oben nach unten betrachtet, findet sich als erstes ein Kontakt-Link. Nichts gegen Kontaktmöglichkeiten, aber wäre es nicht sinnvoller, diesen ins Hauptmenü zu integrieren, statt ihn als einsamen Link ganz oben stehen zu lassen? Dazu kommt: Die gewählte Schriftart ist Arial Regular (ja, ziemlich „oldschool“, aber das ist noch das geringste Problem).

Die übrigen Links sind in Arial Narrow gehalten, also der komprimierten Variante. Warum muss der Kontakt-Link optisch so aus der Reihe tanzen?

 

Typografie

Wie schon erwähnt, kommen Arial Regular und Arial Narrow gleichzeitig zum Einsatz. Keine gute Idee. Das sorgt für einen unschönen Bruch im Schriftbild.

Wenn man verschiedene Schriften verwendet, sollte man auf Kontrast setzen. Nutzt man nur eine Schriftfamilie, kann man mit Fettungen oder Kursivierungen arbeiten – aber einfach nur die Komprimierung zu wechseln, wirkt selten harmonisch.

Dazu kommen zahlreiche Inkonsistenzen bei den Schriftgrößen auf der gesamten Seite. Jede Grafik hat eine andere Größe, viele Texte sind zudem verpixelt. Sehr „romantisch“.

 

Abstände, Paddings und andere Elemente

Wie beim Thema Schrift: Es fehlt jegliche Einheitlichkeit bei Abständen und Paddings. Jeder Bereich macht, was er will. Perfekt, um die ohnehin schon schwierige Nutzererfahrung noch weiter zu verschlechtern.

Schatteneffekte sind längst aus der Mode. Wer sie noch nutzt, lässt seine Website sofort alt aussehen.

Und die Bilder am Seitenrand? Man weiß nicht so recht, was sie aussagen sollen. Drei Herren, die scheinbar verwirrt den Ronaldinho-Gruß machen – vielleicht ein Versuch, uns noch tiefer in die Vergangenheit zu versetzen.

 

Die oberen Banner

Da hätten wir das Logo unserer geschätzten Regierung, mit einem unschönen Fehler zwischen den beiden Boxen: Eine weiße Linie, die nicht bis ganz nach oben reicht. Entweder ganz weg oder richtig – aber so ist es einfach nur unsauber. Das Regierungslogo ist 60px hoch, das DGT-Logo daneben 51px. Wären beide gleich hoch, sähe es schon besser aus. Und ein wenig Abstand zwischen den Logos würde auch nicht schaden.

Direkt unter dem DGT-Logo, quer über die horizontale Linie hinweg, steht ein aufmunternder Slogan für die Bürger: „A tu lado vamos todos“. Danke, DGT.

Rechts daneben gibt es noch zwei weitere Banner. Beide – um es abzurunden – exakt 76,39px hoch. Da hätte man auch gleich die Zahl π nehmen können. Beide sind verpixelt und haben unterschiedliche Schriftgrößen.

 

Die Menü-Buttons

Wunderschön. Mit einem Hover-Effekt, wie man ihn selten sieht.

Ein Dropdown-Menü beim Überfahren der Buttons hätte geholfen, die Anzahl der sichtbaren Links zu reduzieren.

 

Der Twitter-Bildslider und Social Media

Der Bildslider sagt wenig aus, das Design erinnert an die 50er Jahre – aus einer Zeit, als es noch kein Internet gab. Die Schrift klebt direkt an den Bildern. Das ist schlecht für die Indexierung und aufwendig in der Pflege.

Das Twitter-Widget ist so klein, dass man es sich auch hätte sparen können.

Zu den Social-Media-Links: Jedes Icon hat eine andere Größe und sie liegen auf einem dunkelgrauen Hintergrund – vermutlich, um die „grafische Linie“ des Hauptmenüs fortzuführen. Tja, offenbar hält man sich nur dann an die Linie, wenn es garantiert nicht gut aussieht.

 

Die drei Link-Blöcke

Dort, wo eigentlich der stärkste Bereich der Seite sein sollte, findet sich eine endlose Linkliste. Manche Links mit Bild, andere ohne, einige mit Beschreibung darunter, andere nicht.

Hier wäre es deutlich besser, die Anzahl der Links zu reduzieren und das Design bei Bildern und Beschreibungen zu vereinheitlichen.

 

Weiter unten

Es wird nicht besser. Das Chaos bleibt. Null Usability, visuell anstrengend. Kein Scherz: Nach dem Durchscrollen war ich regelrecht benommen von so viel grafischem Unsinn.

 

Weitere Aspekte

  • Kein Responsive Design. Vielleicht als Schutzmaßnahme gedacht, damit niemand auf die Idee kommt, die DGT-Seite während der Fahrt am Smartphone aufzurufen.
  • Im Footer gibt es die Überschrift „Für Menschen“. Falls jemand dachte, die Seite wäre für Schweine gedacht.
  • Wer sich durch die Unterseiten klickt, merkt schnell: Das Labyrinth wächst exponentiell.
  • Der Quellcode ist eine echte Überraschung
  • Das <!DOCTYPE>-Tag steht nicht in der ersten Zeile – keine gute Praxis

 

Fazit

Wer die Website der DGT besucht, sollte vorher besser keinen Alkohol getrunken haben – und den Sicherheitsgurt anlegen. Und wir hoffen, dass Sie nur versehentlich dort gelandet sind und nicht, um eine Strafe zu bezahlen.

 

 

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